Ende November durfte ich im Seniorenzentrum St. Josef zu Gast sein – ein Ort, an dem Geschichten, Erinnerungen und menschliche Nähe besonders zur Adventszeit ihren eigenen Zauber entfalten.
Gemeinsam haben wir weihnachtliche Texte gelesen, gelacht, zugehört und anschließend gemeinsam den Weihnachtsbaum geschmückt.
Es war ein Moment, der zeigt, wie viel Freude in den kleinen Dingen steckt: im Gespräch, im Lächeln, im liebevollen Miteinander. Solche Begegnungen berühren, inspirieren und machen dankbar.
Ein herzliches Dankeschön an das Team des Seniorenzentrums und an alle Bewohnerinnen und Bewohner, die diesen Nachmittag so besonders gemacht haben.
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Und alle, die sich ebenfalls auf die Adventszeit einstimmen wollen - meine Geschichte findet ihr hier:
Es war ein ruhiger Mittwochnachmittag in der Elly-Heuss-Knapp-Straße, und das Seniorenzentrum St. Josef war erfüllt von einer Sanftheit, die nur die Tage vor dem Advent in sich tragen. Durch die Scheiben fiel kühles, blasses Winterlicht, während drinnen die ersten Lichterketten hell erstrahlten. In den Fluren schimmerte das goldene Leuchten wie ein frühes Versprechen.
Der erste Advent war nur noch wenige Tage entfernt - am kommenden Sonntag würde die erste Kerze brennen. Und alle wussten: Mit dieser Kerze beginnt die besondere Zeit. Die Zeit der Stille. Die Zeit der Vorfreude. Die Zeit der Wärme.
Es war ein besonderes Jahr im Seniorenzentrum St. Josef gewesen. Ein Jahr, in dem sich vieles verändert hatte.
Nach langen, wertvollen Jahren hatte Frau Klein im Sommer ihren Weg voller Erfahrung und Fürsorge weitergegeben – und an ihrer Stelle war Herr Preuß gekommen. Er war neu – und doch passte er in dieses Haus, als hätte das Schicksal es genau so gewollt.
Er ging mit ruhigem Schritt durchs Haus, hörte zu, sah hin, kümmerte sich – und brachte zugleich viele Ideen für die Zukunft mit.
Und am 7. Oktober – das Datum würden viele noch lange im Herzen tragen – war draußen feierlich der erste Spaten in die Erde gesetzt worden. Für den Ersatzneubau. Für einen Ort, der St. Josef in die Zukunft tragen würde. Ein Ort, in dem Wärme, Fürsorge und Geborgenheit weiterleben sollten.
Am vergangenen Samstag hatten sich viele Bewohnerinnen und Bewohner auf den Weg gemacht, um in die Stadthalle zu fahren – zum großen Seniorennachmittag der Stadt Betzdorf, mit Musik, Kaffee, Kuchen und netten Gesprächen. Manche hatten dort gute Bekannte wiedergetroffen, andere waren überrascht, wie viele bekannte Gesichter sich im Laufe eines Lebens in einer Stadt sammeln, wie viele Geschichten man teilen kann, wenn man sich austauscht.
Während draußen der frostige Wind über die Dächer von Betzdorf strich, freuten sich viele im Haus bereits auf die kommenden Wochen. Nicht nur auf den ersten Advent am Sonntag – sondern auch auf das, was danach kommen würde.
Denn im Haus wurde schon hier und da leise darüber gesprochen, dass im Januar wieder der Neujahrsempfang stattfinden würde.
Ein Ereignis, bei dem man zusammenkommt, voller Würde, voller Hoffnung, voller guter Wünsche für das neue Jahr.
Viele erinnerten sich an die schönen Begegnungen der letzten Jahre – an die Musik, an die Ansprachen, an die festliche Stimmung – und so sagte Frau Meurer mit leuchtenden Augen:
„Ach, ich freue mich jetzt schon darauf, zu sehen, wer alles kommt.“
Und Herr Krause ergänzte schmunzelnd: „Ich hoffe, es gibt wieder was Leckeres!“
Nun war also Mittwoch. Ein stiller Nachmittag mit Kerzenschein, geschaffen für Erinnerungen und für jene Gedanken, die nur im Advent geboren werden.
Während die Geschichte erzählt wurde, standen auf den Tischen warme Getränke bereit – Tee, Kakao, Kaffee – und Teller mit Kuchen und Plätzchen. Manche griffen vorsichtig zu, andere genossen allein den Duft.
So wurde aus der Vorlesestunde nicht nur ein Zuhören, sondern ein Miteinander. Ein gemeinsamer Moment voller Genuss, voller Ruhe und voller Licht.
Im Aufenthaltsraum wurde Tee ausgeschenkt – Kamille, Pfefferminz, Hagebutte – und der Duft vermischte sich mit Anklängen von Lebkuchen. Irgendwo spielte jemand eine Melodie auf dem Klavier; unsicher, aber vertraut.
Frau Schneider saß in ihrem altvertrauten Sessel, eingehüllt in eine warme Decke. Sie hatte schon viele Advente erlebt. Und dennoch sagte sie jedes Jahr: „Irgendwie ist es diesmal besonders.“ Ihre Augen funkelten dabei wie die Sterne im Dezemberhimmel.
Später, als die Dämmerung den Himmel in sanftes Blau kleidete, geschah etwas sonderbares – oder vielleicht etwas sehr Weihnachtliches.
Die Bewohnerinnen und Bewohner, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ja sogar die Besucher, fühlten, wie eine ganz besondere Wärme den Raum erfüllte.
Es war, als hätte sich das Haus selbst erinnert:
An all die Weihnachten, die hier schon gefeiert wurden.
An all die Lieder, die hier gesungen wurden.
An all die Hände, die sich hielten.
Und so, heißt es, sei in dieser Nacht ein Weihnachtsengel durch St. Josef gegangen. Ganz leise, wie ein Gedanke. Er trug eine Laterne bei sich – und in dieser Laterne war das Licht von fast hundert Adventssonntagen. Ein Licht aus Erinnerungen und Trost. Aus Hoffnung und Aufbruch. Er schritt an den Fenstern vorbei, die zur Baustelle hinausgingen. Und als der Engel dort innehielt, senkte er behutsam das Licht in die Erde hinein.
Und er sprach: „Hier wächst Zukunft.“
Dann ging er weiter – zu den Zimmern, zu den Betten, zu den Herzen der Menschen und flüsterte sanft: „Weihnachten beginnt dort, wo der Mensch wahrnimmt, dass die Vergangenheit kostbar war, die Gegenwart lebendig ist – und die Zukunft ein Geschenk.“
Am nächsten Morgen sprach niemand vom Engel. Aber viele sagten beim Frühstück: „Ich habe heute besser geschlafen.“ „Es fühlt sich leichter an.“ „Ich weiß nicht warum – aber ich freue mich heute.“ Und das war genug.
Denn Weihnachten ist nicht am Heiligen Abend. Weihnachten beginnt im Herzen. Oft früher, als man denkt. Und in diesem Jahr begann es an einem Mittwochnachmittag in Betzdorf - im Seniorenzentrum St. Josef.
Und so endete dieser besondere Mittwochnachmittag im Seniorenzentrum St. Josef – ein Nachmittag voller Erinnerungen, voller Wärme und voller Vorfreude auf das, was kommen darf.
In wenigen Tagen wird die erste Kerze brennen. Und mit ihr beginnt die Zeit des Lichtes. Die Zeit der Hoffnung. Die Zeit des Miteinanders.



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